Am 10.05.2010 haben wir Jens in der SPL Hardware-Entwicklung besucht. Jens gibt zur Zeit dem Transpressor den letzten Schliff. Es ist seiner jüngste Entwicklung, die auf der diesjährigen Musikmesse vorgestellt worden ist. Das Gerät, das alle Standbesucher im März ausprobieren konnten, war der erste Transpressor-Prototyp. Wie alle Messebesucher feststellen konnten, war es schon voll funktionsfähig. Trotzdem will Jens kleine Korrekturen an der Schaltung vornehmen und das Layout auf der Platine noch vor dem Produktionsstart ein letztes Mal optimieren.

Vor dem Transpressor hatte Jens den Frontliner entwickelt. Er brauchte ein volles Jahr (vom ersten Konzept bis zur Einführung in die Produktion), um diesen Kanalzug fertig zu bekommen. Da wir etwas Abwechslung in Jens‘ Arbeit bringen wollten, haben wir ihn vom Transpressor abgelenkt und ihn gebeten, uns einige Details über den Frontliner zu verraten. Lasst uns mitten ins Geschehen eintauchen!
Die Eingangsstufe:
Der Frontliner hat 3 Eingänge, die jeweils einen eigenen Vorverstärker besitzen: Der Mikrofonvorverstärker ist an die GoldMike MKII-Vorstufe angelehnt und benutzt Transistoren für die Verstärkung. Der Line-Vorverstärker verwendet insgesamt drei Operationsverstärkerstufen, während der Instrument-Vorverstärker einen Feldeffekttransistor (FET) als Eingangsstufe und einen Operationsverstärker zur Gain-Regelung benutzt.
Der Ausgang der drei Vorverstärker führt das Signal zu einer Röhrenstufe, die mit einer Doppeltriode (12AX7 LPS) bestückt ist. Diese verstärkt das Signal zusätzlich um 6 bzw. 15 dB. Eine Gegenkopplungsschaltung erlaubt es, den Ausgangspegel der Röhrenstufe unabhängig von der Röhrenverstärkung konstant zu halten.
Der De-Esser:
Nach der Eingangsstufe geht das Signal durch eine De-Esser Schaltung, die Zischlaute durch Phasendrehung auslöscht. Dabei durchläuft das Signal im Sidechain einen 8,2-kHz-Bandpassfilter, dessen Ausgang einen Eingang eines OTA (Transkonduktanzverstärker) ansteuert und parallel zur Erzeugung einer Regelspannung gleichgerichtet wird. Auf den zweiten Eingang des OTA wird das komplette, breitbandige Audiosignal geführt. Auch dieses wird parallel gleichgerichtet. Die Differenz aus beiden gleichgerichteten Spannungen erzeugt eine Regelspannung für den OTA, dessen Ausgang dann die Signalanteile im Bereich um 8,2 kHz phaseninvertiert dem Audiosignal zumischt und damit für eine Auslöschung im entsprechenden Frequenz- und Pegelbereich sorgt.
Der Kompressor:
Auf dem Signalweg ist ein Kompressor nach dem De-Esser geschaltet. Der Kompressor im Frontliner ist an die Kultube-Schaltungen angelehnt. Eine Besonderheit dieses Kompressors liegt in der Verwendung von zwei VCAs (spannungsgeregelte Verstärker), durch deren spezielle Schaltung Rauschen und harmonische Verzerrungen (THD) verringert werden. Die Regelspannung für die VCAs wird in einer aufwändigen Sidechainschaltung erzeugt.
Frontliner: 1. Prototyp
Weiter mit dem 2. Teil...