
Der EQ:
Der Kompressorausgang speist dann die Entzerrungsstufe. Der EQ im Frontliner entspricht den EQ-Filtern im Channel One. Seine Besonderheit liegt im Air-Band, das es erlaubt, Frequenzen um 18 kHz zu bearbeiten. Dieser Filter kann dem Klang Luft und Leichtigkeit geben. Ein „EQ PRE COMP“-Taster ermöglicht es die Reihenfolge von EQ und Kompressor zu tauschen und somit Frequenzgangbeeinflussungen mit in die Kompression einzubeziehen.
Die Röhrenausgangsstufe:
Nach dem EQ wird das Audiosignal in die Röhrenausgangsstufe geführt. Wie in der Eingangssektion wird hier eine Doppeltriode (12AX7 LPS) verwendet. Während die Eingangsröhre für Verstärkung und leichte Obertonerzeugung zuständig ist, wird die Ausgangsröhre viel heißer gefahren, um Sättigung und kräftige Obertöne zu erzeugen. Eine Gegenkopplungsschaltung – ein Teil der Ausgangsspannung wird phasengedreht am Eingang zurückgeführt – erlaubt es, die Röhre immer heißer zu fahren, ohne den Ausgangspegel bedeutend zu beeinflussen. Diese Schaltung kann mit der Vorstufe eines Röhrengitarrenverstärkers verglichen werden, wobei sie natürlich weniger heftig und viel linearer zupackt.

Frontliner: 2. Prototyp
Das Netzteil:
Das Frontliner-Netzteil benutzt zwei Trafos: Der erste versorgt ausschließlich die Audioschaltung, während der zweite die Heizspannung für die Röhren, sowie die Spannung für die Relais, den Schaltlogik-Controller und die Anzeigen (VU-Meter und LEDs) liefert. Jede Versorgungsspannung besitzt ihre eigene Masse, deren Zusammenführung nur in einem Sternpunkt im Netzteil erfolgt. Durch diese konsequent getrennte Masseführung im Gerät werden Einstreuungen in die Audioschaltung durch die restlichen Komponenten ausgeschlossen.
Die Anschlüsse:
Eine wichtige Besonderheit des Frontliners wird erst nach einem kurzen Blick auf die Rückseite deutlich. Das Gerät ist vollständig modular aufgebaut, wodurch jede Sektion seinen eigenen Ein- bzw. Ausgang besitzt. Die Anschlüsse werden von 13 (!) Relais gesteuert. So kann jedes Modul einzeln verwendet werden, während der Rest des Geräts weiterhin als Kanalzug arbeitet. Der Schaltlogik-Controller erlaubt es sogar, bis zu drei Module zu koppeln, um sie dann als unabhängige Einheit benutzen zu können. Dieser modulare Aufbau bietet auch vielseitige Insert-Möglichkeiten, da jeder Ein- und Ausgang als Return und Send verwendet werden kann.

Serien-Frontliner
Jens’ Tipp:
Der Frontliner kann auch als modularer Splitter im Recording verwendet werden: Das Signal kann an jedem Modulausgang abgegriffen und ins Aufnahmesystem geschickt werden. So kann das Quellsignal gleichzeitig nach der Eingangsstufe, dem De-Esser, dem Kompressor, dem EQ und der Ausgangsstufe auf einzelne Spuren aufgenommen werden. Später bei der Abmischung kann der Toningenieur das für den Mix beste Signal auswählen, oder eine Mischung aus mehreren Spuren benutzen.
Die Optionen:
Ein Blick auf die Rückseite verrät, dass der Frontliner mit einer SPL AD-Wandlerkarte ausgerüstet werden kann. Damit verfügt der Kanalzug zusätzlich über SPDIF- und optische Digitalausgänge sowie einen SPDIF-Sync-Eingang. Die Abtastrate kann zwischen 44,1, 48, 88,2 und 96 kHz frei gewählt werden. Eine nicht offensichtliche Option ist die Ausrüstung der Ein- und Ausgänge mit Lundahl-Übertragern. Diese Option erfordert einen Eingriff im Inneren des Geräts – Jens empfiehlt daher, bei Interesse die Übertrager gleich beim Kauf bestücken zu lassen.